Dienstag, 20. Oktober 09

Internet-Kriminelle weiten Aktivitäten aus

 

Der BITKOM und das Bundeskriminalamt (BKA) haben vor immer professionelleren Betrugsmethoden im Internet gewarnt. „Mehr denn je müssen sich PC-Nutzer auf dem Laufenden halten, wie sie sich vor Kriminellen schützen können“, sagte Prof. Dieter Kempf, BITKOM-Präsidiumsmitglied und Vorstandsvorsitzender des Vereins „Deutschland sicher im Netz“.

BKA-Präsident Jörg Ziercke erklärte: „Internet-User müssen wissen, dass die Straftäter von heute das Internet zunehmend als Tatmittel nutzen und sich dabei den oftmals sorglosen Umgang mit persönlichen Daten sowie die Möglichkeiten moderner Schadsoftware zunutze machen.“

 Viren und andere Schadprogramme sind die häufigste Erfahrung mit Kriminalität im Internet. 38 Prozent der Internetnutzer ab 14 Jahren – das entspricht fast 20 Millionen Deutschen – haben erlebt, dass ihr Computer infiziert wurde. Das geht aus einer neuen Umfrage von Forsa hervor. „Schadprogramme beeinträchtigen nicht nur die Funktion von PCs, sondern werden zunehmend zur Ausspähung digitaler Identitäten eingesetzt“, kommentiert BKA-Präsident Ziercke. Verstärktes Ziel von Betrügern sind hierbei mittlerweile Zugangsdaten zu Internet-Shops und Auktionshäusern, sozialen Netzwerken, Foren und E-Mail-Konten. Bei 5 Prozent der Internetnutzer wurden bereits Zugangsdaten für Internet-Shops, Netzwerke oder Online-Banking ausspioniert. 3 Prozent haben durch Schadprogramme und Datendiebstähle einen finanziellen Schaden erlitten. 53 Prozent der Surfer sagen, dass sie noch nie Opfer von Kriminalität im Web waren.

Beim Online-Banking steigt die Zahl der Betrugsfälle 2009 wieder an – nach einem deutlichen Rückgang im Vorjahr. Der BITKOM rechnet auf Basis von Daten der Landeskriminalämter mit bis zu 2.900 angezeigten Phishing-Fällen in diesem Jahr – ein Plus von rund 50 Prozent. Die Schadenssumme steigt der Hochrechnung zufolge um 56 Prozent auf bis zu 11 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2009 lag der durchschnittliche Schaden der gemeldeten Einzelfälle bei rund 4.800 Euro. Im Vorjahr waren die Phishing-Zahlen erstmals seit Jahren gesunken. Den zeitweiligen Rückgang im Jahr 2008 führen Experten auf bessere Schutzmethoden zurück, vor allem durch die fast flächendeckende Einführung der iTAN bei Online-Überweisungen. Inzwischen ist jedoch Schadsoftware verfügbar, die auch diesen Sicherungsmechanismus erfolgreich angreift. „Allein die Eingabe der Geheimzahlen bei Überweisungen reicht zur Vorbeugung nicht“, so Kempf. „Gesundes Misstrauen und eine aktuelle Sicherheitsausstattung des PCs sind genauso wichtig.“

 Der BITKOM und das BKA kündigten an, die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Polizei weiter auszubauen. Ziel ist ein noch intensiverer Austausch über Entwicklungen in der Computerkriminalität und Strategien zu deren Bekämpfung. Die IT-Wirtschaft fordert darüber hinaus, mehr Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften gegen Computerkriminalität zu bilden: „Das Know-how der Strafverfolger muss gebündelt werden.“

 BITKOM / BKA

Share |
Seite drucken