"Blu-ray frühestens in fünf bis sechs Jahren für die Masse der Verbraucher interessant"
Von Reiner Kafitz, Herausgeber von Media-Infodienst.de und Geschäftsführer der KMS Medienservice GmbH
Von der sich ständig ändernden Meldungslage über die Marktreife und die Marktverfügbarkeit der neuen Generation optischer Speichermedien sollte man sich nicht irritieren lassen. Denn die Euphorie der Macher und Freaks ist vollkommen losgelöst von dem Interesse der Endverbraucher und stimmt auch nicht mit den Marktrealitäten überein. Denn diese folgen einem bekannten Muster: Die Entwickler der einzelnen Technologien und damit auch die Patentinhaber bereiten PR-mäßig oft über Jahre hinweg den Boden für neue Produkte, nicht um in den Markt, sondern um in die Medien zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in den seltensten Fällen auch Lösungen für die eigentliche Zielgruppe. Die Verbraucher werden eher noch verunsichert und fragen sich, ob es sich lohnt, weiter auf die etablierten Speichertechnologien zu setzen.
Praxisbeispiel: Auf den einschlägigen Messen werden mit viel Aufwand und PR-Getöse Prototypen präsentiert, fragt man aber nach Lieferterminen, wollen oder können sich die Hersteller nicht festlegen. Erfahrungsgemäß sind dann die ersten Geräte, die auf den Markt kommen, sehr teuer und die Nutzungsmöglichkeiten sind oft noch eingeschränkt. Bis die neue Speichertechnologie zu einem Massenmarkt wird, kann noch viel Zeit verstreichen.
Denn auch die Softwareanbieter müssen bei dem Projekt mitziehen, und das tun sie nur dann, wenn sie halbwegs gesichert einen entsprechenden Ertrag erwarten können. Und hier schließt sich der Kreis: Solange nicht genug Geräte auf dem Markt sind, können die Softwareanbieter nicht wirklich mit einem Return-on-Investment rechnen. Und da keiner der beteiligten Marktteilnehmer ein finanzielles Debakel riskieren will, tastet man sich langsam heran und versucht, von den konkurrierenden Systemen das Beste für sich auszuwählen. Die ersten Gehversuche bringen kein Geld, sondern kosten viel Geld.
So hat man es erlebt bei der Einführung der DCC (digitalen Compact Cassette), bei der MD (Minidisc) und schließlich bei der CVD. Die DCC wurde von Philips entwickelt und mit großer Euphorie in den Markt gebracht. Man versuchte, Softwareanbieter und Hardwareanbieter mit ins Boot zu bekommen, um eine profitable Marktabdeckung zu erreichen. Ähnlich lief es auch beim Wettbewerber Sony in Bezug auf die MD ab. Riesige Werbeaktionen wurden gefahren, aber kaum jemand kaufte sich die Hardware und noch weniger die entsprechende Software. So blieben beide Systeme weitgehend auf der Strecke. Die MD gibt es heute nur noch als Zwischenspeicher.
Bei der DVD war man erfolgreicher. Man einigte sich auf ein Format und ging gemeinsam an den Markt. Aber auch hier dauerte es Jahre, bis sich das System wirklich durchsetzte. Irgendwann gab es im Konsumentenmarkt einen Break, und der Absatz der Videokassetten fiel steil ab, während der Absatz der DVD steil nach oben ging.
Die Geschichte wiederholt sich. Für Blu-ray, können wir feststellen, dass es zur Zeit weder Hard- noch Software gibt, sondern nur Gerede. Daher muss sich heute noch kein Mensch auf dieses neue Medium wirklich einstellen, außer denen, die daran entwickeln. Meiner Einschätzung nach ist diese neue Speichertechnologie für Endverbraucher frühestens in fünf bis sechs Jahren relevant – in welchem Ausmaß, wird sich noch zeigen.

